Trainingslager auf Mallorca

Foto: privat

Vier Wochen Trainingslager auf Mallorca – und die ersten Tage mit der deutschen Nationalmannschaft standen klar unter dem Eindruck von Abu Dhabi. Das erste Saisonrennen musste aufgearbeitet werden. Keiner war mit den Ergebnissen zufrieden. Auch mein 38. Platz war frustrierend. Die Vorbereitung hatte gestimmt, die Leistungstests waren super, nur im Rennen hat es nicht gepasst. Einen Anschiss haben wir von den Trainern nicht bekommen, aber analysiert wurde das Rennen schon ganz genau.

Bei mir hat sich herausgestellt, dass ich einige Fehler gemacht habe. Vor allem gleich beim Schwimmen. Ich verliere Rennen oft schon auf den ersten 50 Metern. Es klingt zwar etwas martialisch: Aber am Start herrschen Kriegszustände. Da muss man sich durchboxen, gegen die Konkurrentinnen vehement durchsetzen, sofort voll am Limit schwimmen. Ich muss künftig den Kopf ausschalten und von Anfang bis Ende im Wasser Gas geben, Gas geben, Gas geben.

Top 15 als Ziel in Kapstadt

Mit dieser Vorgabe werde ich am Sonntag auch das Rennen in Kapstadt angehen. In Südafrika muss der Knoten endlich platzen. Ich will die letzten kleinen Zweifel an der Olympia-Teilnahme ausräumen und unter die Top 15 kommen. Dann könnte ich mir Mitte Mai die weite Reise zum Rennen nach Yokohama (Japan) ersparen und den Trainingsplan individuell auf die Spiele in Rio ausrichten.

Meine Form stimmt mich absolut positiv. Es waren intensive Wochen auf Mallorca, aber auch sehr gute, die mir viel Selbstvertrauen geben. An einem Tag musste ich ein Intervall kürzen, aber ansonsten habe ich alles nach Plan durchgezogen. Ich wüsste nicht, wann ich das letzte Mal so viel Lauftraining am Stück hatte. Das Resultat: Ich denke, meine Laufform ist besser als je zuvor. Die Strecken in Colònia de Sant Jordi im Südosten Mallorcas sind aber auch super, der Boden in den Pinienwäldern war sehr gelenkschonend. Das Terrain war wellig und auch das Wetter hat gepasst. 13 bis 15 Grad und nur zwei Regentage – was will man mehr?

Feuerquallen verhindern Training im Meer

Die beiden etwa 500 Meter hohen Berge Puig de Sant Salvador und Puig de Randa in der Nähe haben auch ein perfektes Radtraining ermöglicht. Schade war nur, dass aus dem geplanten Schwimmtraining im Meer nicht wirklich etwas wurde, nur zwei Tage konnten wir ins Freiwasser im Mittelmeer. Das Problem: Es gab einfach zu viele bissige Feuerquallen, deswegen mussten wir ins 50-Meter-Becken ausweichen. Aber alles im allem waren es Topbedingungen auf der Baleareninsel.

Leider bin ich dann bei der Rückkehr nach Saarbrücken kränklich geworden. Aber etwas Ruhe, und der Schnupfen war wieder weg. Auf meinen Start am Sonntag in Kapstadt hat das keine Auswirkungen. Die Strecke in Südafrika sollte mir auch einigermaßen liegen. Obwohl komplett flach, ist sie technisch sehr anspruchsvoll. Man muss mit dem Rad auf einer Tartanbahn durch ein Stadion fahren und auf verwinkelten Wegen durch einen Park. Das heißt: Die Topgruppe kann vorne nicht so viel Tempo bolzen, die Fahrer dahinter können mit guter Kurventechnik Rückstände aufholen.

Zehn Grad kaltes Wasser

Und auf einen Rückstand nach dem Schwimmen muss ich mich einstellen, die Schwimmspezialistinnen sind einfach zu schnell. Mein Ziel ist es, in der zweiten Gruppe aus dem Wasser zu kommen. Dann habe ich alle Chancen.

Allerdings ringt mir die Wassertemperatur sehr viel Respekt ab. Mehr als zehn Grad werden es wohl nicht werden. Da hat man beim Einschwimmen schon Probleme, den Kopf unter Wasser zu bringen. Aber Jammern gibt es nicht: Das Gesicht komplett mit Vaseline einschmieren und durchkämpfen. Es müssen ja alle mit diesen Bedingungen zurechtkommen. Vollgas geben und unter die Top 15 laufen – das ist meine Devise.

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Protokolliert von Torsten Ernstberger