Geburtstag in Südafrika

Freunde, Familie und Teamkollegen gratulieren Anne Haug am 20. Januar per Video zum Geburtstag.

 

Höhentraining – das bereitet mir jedes Mal Kopfzerbrechen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Schwindelgefühle bei den Laufeinheiten sind zunächst normal, mein Kreislauf muss sich umzustellen. Ich brauche immer etwas, bis ich mich an die Höhe gewöhnt habe. Das ist auch in Südafrika so, obwohl man auf 1400 Metern wohl eher von einem Reizklima spricht als von einem Höhentraining.

Für das letzte lange Grundlagentraining vor Saisonstart ist Potchefstroom, etwa 120 Kilometer südwestlich von Johannesburg, einfach optimal. Die Stadt liegt auf einem Hoch-plateau, also gibt es trotz der Höhe keine Berge. Das Lauf- und Radtraining kann somit fast durchgehend auf flachen Strecken absolviert werden. Und das bei 30 bis 40 Grad. Wo findet man das sonst?

Ich bin gerne hier – auch, wenn alles etwas anstrengender ist. In der Höhe bleibt die Luft beim Schwimmen schon mal weg und ich muss von Dreier- auf Zweierzug umstellen. Beim Laufen und Radfahren fühlt es sich an, als ob ich einen zusätzlichen Rucksack dabei habe. Doch auch wenn die Einheiten in der Höhe wehtun, so sind sie in der Olympia-Vorbereitung doch unverzichtbar. Der Körper produziert mehr rote Blutkörperchen, die Einheiten sind effektiver und die Leistungsfähigkeit steigt.

Und nach einer Woche hat sich mein Körper an die Höhe gewöhnt. Jetzt kann ich auch die Umgebung genießen. Zwar besteht die Landschaft um Potchefstroom fast nur aus eintöniger Steppe mit kleinen Büschen, doch es macht schon etwas her, wenn dich neugierige Affen beim Training beobachten oder beim Radfahren Giraffen und Zebras neben dir herlaufen. Es ist wie eine kleine Rad-Safari.

Auch die Trainingsanlage in der Studentenstadt ist super. Es gibt gut ausgestattete Fitnessräume und die Gras-Laufbahn ist gelenkschonend. Auch Top-Leichtathleten wie der französische Star-Sprinter Christophe Lemaitre, der mit 9,92 Sekunden der bisher einzige weiße Sprinter ist, der die 100 Meter unter zehn Sekunden gelaufen ist, bereitet sich hier auf Olympia vor.

Nur das Schwimmbecken ist etwas – nennen wir es mal – afrikanisch. Doch als wir den Unrat und die Krebse aus dem Becken entfernt und Leinen besorgt haben, lässt es sich hier gut trainieren. Und das ist das Einzige, was zählt. Auch an meinem Geburtstag, seit 20. Januar bin ich 33. Da es in Potchefstroom früh hell und abends bald dunkel wird, bleibt keine Zeit zum Feiern.

Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Eine Stunde später folgt eine harte Radeinheit, dann ein längerer Lauf mit fünfzehn 100-m-Sprints und abschließend noch 5,5 Kilometer Schwimmen. Da ist ja klar, dass ich um 20.30 Uhr nur noch ins Bett will. Ein Geburtstag ist eben in erster Linie ein ganz normaler Trainingstag. Das sehe ich ganz gelassen.

Wesentlich mehr Nervosität und Anspannung sind bei meinen Nationalmannschaftskollegen zu spüren. Der Deutsche Olympische Sportbund hat die Nominierungskriterien für Olympia bekannt gegeben. Gleich das erste Rennen der WM-Serie am 4./5. März in Abu Dhabi ist auch ein Quali-Wettbewerb für Rio.

Da will jeder in Topform sein – auch meine Zimmerkollegin Anja Knapp. Ihr drücke ich natürlich besonders die Daumen. Sie ist meine beste Freundin im Team, sie hat eine Olympia-Teilnahme einfach verdient und es wäre toll, wenn wir gemeinsam nach Rio reisen könnten.

Aber ganz habe ich das Olympia-Ticket ja auch noch nicht gelöst. Ich muss bis Ende Mai meine Form bei einem WM-Rennen mit einem Top-15-Platz noch einmal bestätigen. Aber ganz ehrlich: Wenn mir das nicht gelingt, habe ich bei Olympia auch nichts zu suchen. Am besten, ich merze die letzten Zweifel an meiner Fahrkarte für Rio gleich in Abu Dhabi aus.

Doch bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Aber das Positive ist: Auch nach dem Trainingslager in Südafrika mit 30 Trainingsstunden in der Woche fühlen sich meine Beine noch ganz gut an, auch kein anderes Körperteil zwickt: Ich bin in meinem Olympiaplan voll im Soll.

Hier gehts zum nächsten Kapitel: Dämpfer in Abu Dhabi

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