Dämpfer in Abu Dhabi

Endlich das erste Rennen, endlich der Vergleich mit den Konkurrentinnen. Ich war hochmotiviert und fühlte mich zum ersten Mal seit meiner schweren Verletzung aus dem Jahr 2014 wieder richtig fit am Start.

Ich wollte die letzten Zweifel an der Olympia-Quali beseitigen und mindestens Fünfzehnte werden – und dann das. Platz 38. Als ich am Ende des Feldes aus dem Wasser gestiegen bin, habe ich gedacht, ich bin in einem Alptraum gefangen. Das kann doch nicht wahr sein.

Meine Trainingsergebnisse spiegelt der 38. Platz sicher nicht wider. Kurz zuvor bei der Leistungsdiagnostik in Leipzig hatte ich Topwerte, war läuferisch eine der schnellsten Frauen, die diesen Test je absolviert haben. Auch das folgende zehntägige Trainingslager auf Lanzarote, das ich mit meiner Nationalmannschaftskollegin und Freundin Anja Knapp absolviert hatte, lief perfekt.

Wir haben viele schnelle Einheiten hinter uns gebracht, richtig Gas gegeben. Ich bin sehr zuversichtlich nach Abu Dhabi gefahren. Direkt nach dem Rennen war die Frustration groß. Vor allem, weil ich ein so schlechtes Ergebnis gar nicht auf dem Schirm hatte. Aber mit etwas Abstand muss ich auch sagen: 66 Prozent des Rennens waren aus meiner Sicht gut.

Foto: DTU/Jo Kleindl
Foto: DTU/Jo Kleindl

Nach dem Schwimmen habe ich nie ans Aufgeben gedacht. Viele trauen mir bei Olympia eine Medaille zu. Ich weiß, dass ich das Zeug dazu habe. Das wollte ich zumindest in den abschließenden beiden Disziplinen beweisen.

Das Radfahren war allerdings schwer. Ich habe ja quasi ein 40-km-Einzelzeitfahren absolviert, da ist es völlig unrealistisch an einen Pulk aus 40 Radfahrerinnen, die zusammenarbeiten, ran zu fahren. Ich wollte den Schaden so gering wie möglich halten, und dann im Laufen alles raushauen. Gott sei Dank ist das gelungen: Mit der drittschnellsten Laufzeit hat der Wettkampf doch noch etwas Positives gefunden.

Das ändert aber nichts daran, dass Platz 38 nicht meinen Ansprüchen entspricht, das Rennen – gerade das Schwimmen – muss analysiert werden. Was lief schief? Habe ich taktische Fehler gemacht? Es könnte sein, dass ein entscheidender Fehler gleich beim Start passiert ist.

Dort habe ich etwas gezögert und dann haben die Schwimmerinnen neben mir die Gasse zugemacht. Dann habe ich eine Lücke gefunden und mich dem rechten Zug angeschlossen. Blöd, dass der linke wesentlich schneller war.

Foto: Joseph Kleindl
Foto: Joseph Kleindl

Im nun folgenden, vierwöchigen Trainingslager auf Mallorca werde ich einen Fokus des Trainings besonders auf die Startphase und das schnelle Anschwimmen legen. Klar ist auf jeden Fall: Ich muss in der Lage sein, in der zweiten Gruppe aus dem Wasser zu steigen, dann habe ich im Rennen ganz andere Handlungsspielräume und Chancen auf die Topplätze.
Meinen Trainingsplan werde ich nach dem Rennen in Abu Dhabi aber nicht ändern. Denn ich liege ja voll im Soll: Die Fitness stimmt, das zeigen meine Werte. Plan A ist jetzt eben nicht aufgegangen, jetzt kommt Plan A2 – das Sprintrennen in Kapstadt am 24. April soll mir die endgültige Olympia-Qualifikation sichern.

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Protokolliert von Torsten Ernstberger